Preisverleihung Regensburg

Preisverleihungen

Konzepte und Strategien guter Suchtprävention in der Schule prämiert

Oberpfalz. Im vergangenen Schuljahr haben 21 Schulen in der Oberpfalz am Wettbewerb „Strategien guter Suchtprävention in der Schule“ teilgenommen. Der Wettbewerb wurde vom Suchtarbeitskreis Oberpfalz ausgerichtet und richtete sich an alle Schulen in der Oberpfalz, von der Grundschule bis zum Gymnasium, einschließlich der Berufsschulen des Landkreises und der Stadt Regensburg. Präventionsfachkräfte des Gesundheitsamtes unterstützten Lehrer, Eltern und Schüler bei konkreten Fragen.

Unter den Einsendern waren drei Grund-, neun Mittel-, zwei Förder- und vier Realschulen sowie drei Gymnasien. Die Jury aus Vertretern der Suchtprävention, der Schulbehörden, der Schülermitverwaltung und der Sieglinde-Nothacker-Stiftung bestimmte die Plätze.

Der erste Platz wurde jeweils mit 1.000 Euro, der zweite Platz jeweils mit 500 Euro und der dritte Platz jeweils mit 250 Euro dotiert. Die Entscheidung für die Preisvergabe war nicht leicht, da sich die Qualität der eingereichten Beiträge insgesamt durch ein hohes Niveau auszeichnete.

Die Gewinner der Hauptpreise waren:

Einen ersten Preis erhielten die Realschule am Judenstein Regensburg, die Staatliche Realschule Obertraubling, die St. Wolfgang-Mittelschule Regensburg, die Grundschule am Schlossberg Regenstauf.

Darüber hinaus die Mittelschule Kümmersbruck, die St. Felix Förderschule Neustadt/WN, die Mittelschule Schwarzenfeld. die Grund-und Mittelschule Erbendorf, die Mittelschule Kemnath, die Konrad-Adenauer-Realschule Roding und die Johann-Brunner-Mittelschule Cham.

Einen Sonderpreis erhielten das Benedikt-Stattler-Gymnasium in Bad Kötzting und die Mädchenrealschule Waldsassen.

Den zweiten Platz belegten:

Die Krötensee-Mittelschule Sulzbach-Rosenberg, die Mittelschule Dietfurt, das Gymnasium Parsberg und die Schwarzachtalschule Berg.

Den dritten Platz belegten:

Das Sonderpädagogisches Förderzentrum Neutraubling, die Grundschule Illschwang und das Willibald-Gluck-Gymnasium Neumarkt.

Die ausgezeichneten Schulen glänzten besonders mit folgenden Schwerpunkten:

  • nachhaltig, also langfristig angelegte Projekte mit dokumentierten Erfolgen wie „Klasse 2000“, „Nichtraucherwettbewerb Be smart don´t start“, „Lions-Quest-Programme“, „PiT-Prävention im Team“, eigene Suchtpräventionstage
  • konstruktive Verhaltenstipps, kombiniert mit der Gestaltung von Rahmenbedingungen wie alkoholfreie Schulfeste, günstige Preisgestaltung für alkoholfreie Getränke oder Entwicklung einer Schulvereinbarung „Suchtprävention“
  • Schulveranstaltungen, die in Kooperation mit den Fachstellen vor Ort durchgeführt werden und Schüler und Eltern aktiv einbinden
  • Aktivitäten, die die Lebenskompetenzen, die Gesundheit und die Entwicklung der Schülerinnen und Schüler stärken

Ein grundlegendes Kriterium für die Entscheidung der Jury waren Methoden und Inhalte, die die Stärkung von Lebenskompetenzen zum Ziel haben. Damit ist gemeint: Die Förderung des kritischen Denkens, der Ausbau der individuellen Entscheidungsfähigkeit, eine angemessene Stressbewältigung, eine gute Selbsteinschätzung und ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen. Die beschriebenen Fähigkeiten wirken als Schutzfaktoren. Nachweislich können starke Kinder und Jugendliche besser „Nein“ sagen, auch gegen Gruppendruck. Sie haben ein besseres Gespür für sich selber. Sie wissen, wann es genug ist und was man besser gleich ganz bleiben lassen sollte. Starke Kinder können mit schwierigen und riskanten Lebensumständen besser umgehen. Insbesondere in der Adoleszenz spielt das eine große Rolle.

Die Idee für den Wettbewerb entwickelte sich aus der Zusammenarbeit zwischen Präventionsfachleuten des Suchtarbeitskreis Oberpfalz und der Sieglinde-Nothacker-Stiftung.

TIPP des Gesundheitsamts:

Gute Suchtprävention misst sich nicht an spektakulären Einzelaktionen oder abschreckenden Darstellungen von Sucht, sondern an zahlreichen, immer wiederkehrenden, positiven Anstößen im alltäglichen Leben, an positiven Vorbildern und besonders an förderlichen Beziehungen zu Kindern und Jugendlichen.

Wissenschaftliche Erkenntnisse belegen, dass Strategien der Abschreckung und Furchtappelle sich als untauglich erwiesen haben. Drastische Bilder teergeschwärzter Raucherlungen und amputierter Raucherbeine verursachen nur kurzfristig einen Schock und werden nicht auf die eigene Biografie übertragen. Auch Aufklärungsprogramme, die bloße Sachinformationen über Suchtstoffe und ihre Wirkungen vermitteln, können vor allem bei risikobereiten Jugendlichen, die Bereitschaft zum Konsum eher vergrößern als verringern.

Zusatzinfo Lebenskompetenzen:

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zehn zentrale Lebenskompetenzen definiert, die Menschen helfen können, psychisch gesund zu bleiben:

  1. Selbstwahrnehmung: die Wahrnehmung des eigenen Körpers und seiner Bedürfnisse, des eigenen Charakters, der Stärken und Schwächen, Wünsche und Abneigungen
  2. Empathie: die Fähigkeit, sich in eine andere Person hinein zu versetzen und Mitgefühl und Verständnis zu entwickeln
  3. Kreatives Denken: kognitive Fähigkeit, über den direkten Erfahrungshorizont hinauszuschauen, die vorhandenen Alternativen und deren Konsequenzen abzuschätzen und Aktivitäten zu planen
  4. Kritisches Denken: die Fähigkeit, Informationen und Erfahrungen objektiv zu analysieren
  5. Entscheidungsfähigkeit: die Fähigkeit, Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen und konstruktive Entscheidungen zu treffen
  6. Problemlösefertigkeit: konstruktiver Umgang mit Problemen des Alltags
  7. Effektive Kommunikationsfertigkeit: sich sowohl verbal als auch nonverbal ausdrücken zu können und die eigenen Meinungen und Wünsche, Bedürfnisse und Ängste zu äußern
  8. Interpersonale Beziehungsfertigkeiten: die Fähigkeit, Beziehungen und Freundschaften zu schließen und  aufrecht zu erhalten
  9. Gefühlsbewältigung: die eigenen Gefühle und die anderer wahrzunehmen, angemessener Umgang mit Emotionen
  10. Stressbewältigung: Ursachen von Stress im Alltag und dessen Auswirkungen erkennen, Strategien beherrschen, um das Stressniveau zu kontrollieren.